Mittwoch, 12 Mai 2021 15:12

Drei Digitalisierungsindex 2021 zeigt digitale Kluft

Drei Digitalisierungsindex 2021 zeigt digitale Kluft © Shutterstock

Man sollte meinen, COVID-19 hätte die Digitalisierung in der heimischen Unternehmens-Landschaft stark vorangetrieben. Doch wie der Drei Digitalisierungsindex zeigt, ist Home Office, Videotelefonie & Co. fast nur bei Großbetrieben angekommen. Auch beim Online-Handel kann man nicht von einem digitalen Durchbruch sprechen.

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Digitale Kluft

Nach einem Jahr Pandemie zeigt sich, einen Digitalisierungs-Boost hat es nur bei Großbetrieben, der Industrie und einzelnen Branchen wie Bildung, Kultur, Kommunikationswirtschaft und Tourismus gegeben. Mehr als 90 Prozent der größten Unternehmen in Österreich geben an, dass Corona ihre Digitalisierung beschleunigt hat. Bei Kleinbetrieben hingegen gibt es starken Aufholbedarf. Da diese von der Krise massiv betroffen waren, gab es auch zu wenig Möglichkeiten, überhaupt in Digitalisierung zu investieren. Betrachtet man den Gesamtdurchschnitt aller Unternehmenskategorien, hat kaum mehr als ein Drittel aller Unternehmen hierzulande digitale Fortschritte gemacht. Besonders in den schwer betroffenen Branchen wie Handel, Handwerk und Logistik haben nur wenige durch Digitalisierungsschritte den Betrieb aufrechterhalten. Im Handel hat gerade einmal jedes zehnte Unternehmen verstärkt auf neue Online-Absatzkanäle gesetzt, zeigt der von Drei bei Arthur D. Little Austria und marketmind in Auftrag gegebene neue Digitalisierungsindex 2021 für Österreich.

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Nur ein Fünftel aller Betriebe digitalisiert

Rudolf Schrefl, CEO von Drei, sagt in der Presseaussendung: „Zweifelsohne hat Corona in Österreich für einen Digitalisierungsschub gesorgt. Auch wenn es immer noch viel zu wenige sind, gab es unter den österreichischen Unternehmen noch nie so viele ‚digitale Champions‘. Die knapp 20 Prozent der Betriebe, die man in Österreich grundsätzlich als digitalisiert bezeichnen kann, sind aber mit wenigen Ausnahmen Großbetriebe. Vielen Klein- und Kleinstbetrieben hat die Pandemie schwer zugesetzt. Diesen Betrieben müssen wir jetzt besonders zur Seite stehen, damit wir auf dem Weg in die Zukunft niemanden zurücklassen.“

Home Office, Videotelefonie & Co.

Laut Stefan Schiel, Managing Partner von marketmind, haben mehr als die Hälfte der Großunternehmen im Zuge der Pandemie Home Office oder Videokonferenztools eingeführt oder deren Einsatz verstärkt. Berücksichtigt man auch die kleinen Betriebe, geben aber gerade einmal 8 Prozent an, vermehrt videotelefoniert zu haben und nur 6 Prozent haben in Corona-Zeiten zum ersten Mal oder verstärkt im Home Office gearbeitet. In Summe wird in vier von zehn österreichischen Unternehmen Home Office genutzt. Fast die Hälfte der Betriebe arbeitet auch nach Corona weiterhin ohne Telefon-, Video- und Webkonferenzen und ohne Digitale Signatur. Cloud-Services nutzen gerade einmal 39 Prozent der Betriebe.

35 von 100 Punkten

Der Digitalisierungsindex misst auf einer Skala von eins bis hundert den Digitalisierungsgrad des Unternehmens. Heimische Großbetriebe haben mi 54 Punkten im Vergleich zu 2019 um 11 Punkte mehr erreicht. Bei Kleinstunternehmen hat sich der Wert mit 34 Punkten kaum verändert. In Summe ist der Digitalisierungsindex für alle Unternehmen österreichweit – gegenüber vor der Pandemie – nur marginal von 34 auf 35 Punkte gestiegen.

Karim Taga, Managing Partner von Arthur D. Little (ADL) Austria, sagt: „Initiativen für mehr Beratung und für eine leichtere Finanzierung gibt es, müssen aber noch bekannter werden. Außerdem benötigen die Betriebe dringend breitflächig schnelles Internet: Rund ein Drittel sitzt hier immer noch vor leeren Gläsern.“

„Die weitere Digitalisierung der österreichischen Unternehmen wird für ihre zukünftige Wettbewerbsfähigkeit nach Corona entscheidend sein. Daher müssen wir jetzt alles unternehmen, um die digitale Kluft zwischen Klein- und Großbetrieben, die sich hier in einem Jahr Pandemie weiter geöffnet hat, wieder zu schließen“, betont Drei CEO Rudolf Schrefl.

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