Freitag, 18 Februar 2022 07:50

Sind NFTs den Krypto-Hype wert?

Was als Mittel zur Legitimierung digitaler Kunst begann, hat sich zu einer milliardenschweren Industrie entwickelt. NFTs eroberten 2021 die Welt in Rekordgeschwindigkeit. Der Boom ihrer Verkäufe hat einen wilden, lukrativen Marktplatz im Wert von über 24 Milliarden US-Dollar geschaffen. Es bleibt jedoch noch offen, ob NFTs bloß überteuerte digitale Kunst sind oder diese aufstrebende Technologie ein lukratives Geschhäftsmodell sein wird? 

Was sind NFTs eigentlich?

Ein Künstler aus Wisconsin, bekannt als Beeple, machte 2021 international Schlagzeilen, als ein Stück seiner digitalen Kunstwerke bei Christie's für 69,3 Millionen Dollar verkauft wurde. Ein rekordverdächtiger Betrag, der in einer neuen Kategorie von Vermögenswerten, den sogenannten Nonfungible Tokens (NFTs), gezahlt wurde. Ein NFT ist eine einzigartige Dateneinheit, die es digitalen Inhalten – von Videos über Songs bis hin zu Bildern – ermöglicht, auf Kryptowährungs-Blockchains protokolliert und authentifiziert zu werden. Es handelt sich also um digitale Artikel, die mit Blockchain-Technologie gekauft und verkauft werden können. Aber sie sind nicht fungibel (also nicht ersetzbar oder austauschbar), was sie zu einer anderen Art von Vermögenswert macht. Sobald Inhalte in der Blockchain angemeldet sind, wird jede Transaktion von der Übertragung bis zum Verkauf in der Kette aufgezeichnet, wodurch ein leicht zugängliches Protokollbuch mit Herkunft und Preisverlauf erstellt wird. NFTs vereinfachen somit den Besitz und Verkauf digitaler Inhalte. Früher konnten digitale Künstler beispielsweise Drucke und andere Waren mit ihren Designs verkaufen, aber sie hatten Probleme, digitale Kunst direkt zu monetarisieren. Durch NFTs könnte dieses Problem schon Geschichte sein.

Wie funktioniert es?

In der Regel prägen Schöpfer (oder Künstler) ihre Werke auf einem NFT-Marktplatz der Plattformen wie OpenSea, SuperRare, Nifty Gateway oder Foundation, um nur ein paar zu nennen. Minting ist der Akt der Erstellung eines NFTs, bei welchem ein "intelligenter Vertrag" erstellt wird, der in der Blockchain gespeichert wird. Der sogenannte Smart Contract enthält viele wichtige Informationen: Er listet den Urheber des Werks auf und stellt sicher, dass der Urheber oder andere Parteien bei jedem Verkauf des NFT Lizenzgebühren erhalten. Die Möglichkeit für Künstler, automatisch Renditen auf den Wiederverkaufswert zu sammeln, ist Teil der Attraktivität von NFTs. Alle Plattformen verdienen ihr Geld, indem sie einen kleinen Prozentsatz der Lizenzgebühren über den Smart Contract erhalten.

Was sind die Risiken?

Der Prozess ist jedoch noch nicht perfekt. Technische Störungen können dazu führen, dass Parteien nicht immer Tantieme erhalten. Zudem haben Smart Contracts nicht dasselbe rechtliche Gewicht wie das Urheberrecht. Bevor der NFT-Hype zu schwinden beginnt, versuchen Fachleute aus den Bereichen Technik, Kunst und Recht eine langfristige Stabilität zu schaffen, indem sie die vielen Probleme angehen, die das Medium derzeit plagen. CXIP Labs, ein amerikanisches Start-up-Unternehmen, das einen Verifizierungsprozess für NFTs entwickeln möchte, zielt darauf ab, Kunstdiebstahl zu reduzieren, indem es einen Prägedienst anbietet, der auf allen Marktplätzen funktioniert.
Ein weiteres Problem ist, dass Smart Contracts in der Blockchain zwar gespeichert werden, aber das Kunstwerk selbst meistens nicht in der Blockchain gespeichert wird, weil das Speichern so vieler Daten zu mühsam und teuer wäre. Dementsprechend enthalten die meisten Smart Contracts einen Link zu der Arbeit, die sie darstellen. Das bedeutet, dass viele NFTs aus zwei Teilen bestehen, dem Smart Contract und dem Asset selbst. Dies kann zu Verwirrung darüber führen, wo sich der Wert tatsächlich befindet. Es gibt jedoch Werke, die nicht nur in der Blockchain gespeichert werden, sondern auch mithilfe der Blockchain-Technologie erstellt werden.
Auch Diebstahl ist eine ständige Herausforderung: Werke von Künstlern, die sich mit der Erstellung von NFTs zurückgehalten haben, wurden von Unbekannten gemintet. Leider verifizieren nur wenige NFT-Marktplätze den Schöpfer eines Stücks, bevor sie es zum Verkauf anbieten. Künstlern, die sich online über dieses Problem beschwert haben, wurde gesagt, sie sollten NFTs ihrer Arbeit erstellen, um Diebstahl zu verhindern - eine unvollkommene Lösung! Darüber hinaus haben sich viele Künstler aus moralischen Gründen geweigert, NFTs zu erstellen. Als Grund wurde oftmals der Aspekt der umweltschädlichen Infrastruktur von Ethereum genannt, denn Kryptowährungen verbrauchen immense Mengen an Energie, um zu funktionieren. Laut Forbes verbraucht derzeit eine einzige Transaktion auf Ethereum so viel Strom wie ein Haus in einer Arbeitswoche. Obwohl es alternative Kryptowährungen mit einem viel geringeren ökologischen Fußabdruck gibt, sind sie noch nicht weit verbreitet. Einige NFT-Plattformen kaufen CO2-Kompensationen, um ihre Auswirkungen zu mindern, aber die tatsächliche Wirksamkeit der Kompensationen ist nach wie vor umstritten. Die Mehrheit der NFT-Community hat über die Umweltauswirkungen hinweggesehen, da bereits Ethereum 2.0 geplant ist, das eine deutlich weniger umweltbelastende Infrastruktur nutzen wird. Das Problem: Seit Jahren wird bereits behauptet, dass die Umsetzung unmittelbar bevorstehe. 

Während sich NFTs auf viele Künstler positiv ausgewirkt haben, liegen noch nicht genügend Daten vor, um festzustellen, ob NFTs vielen oder nur einigen wenigen zugutekommen. Kritiker bezeichnen NFTs sogar als Ponzi-Schema.

Fragen, die man sich stellen sollte

Wenn Sie über den Kauf von NFTs nachdenken, verwenden Sie diese Fragen als Ausgangspunkt, um zu sehen, ob sich Ihre potenzielle Investition lohnt: 

  • Was bekommen Sie?
  • Was kann man damit machen?
  • Welche Rechte sind damit verbunden?
  • Erhalten Sie Urheberrechte?
  • Erhalten Sie eine Lizenzierungsmöglichkeit? Bleibt das beim Künstler?
  • Können Sie diese Bedingungen aushandeln?
  • Gibt es eine Begrenzung, wie oft es verkauft werden kann?
  • Wenn es sich um eine begrenzte Produktion handelt, wo befinden Sie sich dann innerhalb dieser Produktionsstruktur?
  • Wenn Sie es einmal besitzen, können Sie es als Sicherheit bei einem Kreditgeber verwenden? Wenn ja, was sind potenziellen Probleme bei der Bestätigung der Bewertung oder Einreichung gemäß Artikel 9 des Zollkodex der Europäischen Union (UZK)? Wird sich der Wert im Laufe der Zeit ändern?  
  • Welche gesetzlichen Rechte sind im Smart Contract beschrieben? Wie können Sie Ihre Rechte schützen, wenn beispielsweise jemand in betrügerischer Absicht versucht, Ihre Vermögenswerte zu verkaufen und Eigentumsrechte beansprucht?
  • Wie hoch sind die Kosten, wenn Sie die NFT übertragen? Können Sie neu verhandeln? Wenn der Wert sinkt, haben Sie einen Rückgriff gegen die ursprüngliche Partei, die Ihnen den Vermögenswert verkauft hat?

 

NFTs können ein Strohfeuer sein oder aber die Art und Weise, wie wir kreative Arbeiten kaufen und verkaufen, in der Zukunft grundlegend verändern. Es ist noch zu früh, um das zu wissen. Bevor Sie sich kopfüber ins Zeug legen, tun Sie Ihre Sorgfaltspflicht. Verstehen Sie, was Sie kaufen und was potenzielle Risiken und Vorteile sein könnten. 

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